Wann Gefahrgut in die Luft gehört und wann nicht
Ein Gefahrguttransport per Charter lohnt sich, wenn die Linienluftfracht die Klasse nicht annimmt, wenn Cargo Aircraft Only vorgeschrieben ist, wenn die Menge über den Grenzwerten der Belly-Kapazität liegt oder wenn Trennvorschriften einen eigenen Laderaum verlangen. Alles andere fährt in der Regel günstiger auf der Straße oder geht als Einzelstück in die Linie.
Für Gefahrgut-Speditionen ist die Abgrenzung praktisch: Straßentransport nach ADR und Luftfracht nach IATA DGR verlangen unterschiedliche Verpackungen, Kennzeichnungen und Papiere. Eine Sendung, die per Lkw zum Flughafen kommt, ist damit noch nicht luftfrachtfähig — die Umverpackung ist Teil der Planung.
Operatorakzeptanz und Trennung
Die Akzeptanz entscheidet der einzelne Operator, bei manchen Klassen zusätzlich der Überflug- oder Landestaat. Trennvorschriften, Ladeposition, Mengengrenzen und Crewschulung gehören zur Freigabe.
Cargo Aircraft Only (CAO) ist häufig der Grund, warum nur ein Charter möglich ist, weil Linien-Belly-Kapazität solche Sendungen nicht aufnehmen darf.
Die neun Gefahrgutklassen
Die IATA-Systematik teilt gefährliche Güter in neun Klassen ein, und die Klasse entscheidet über Flugzeug, Ladeposition und die nötige Operatorfreigabe. Klasse 1 umfasst explosive Stoffe von Sprengmitteln bis zu Airbaggeneratoren und ist in der Luft am stärksten eingeschränkt. Klasse 2 umfasst Gase in drei Unterteilungen: entzündbar, verdichtet nicht entzündbar und giftig. Klasse 3 umfasst entzündbare Flüssigkeiten wie Lösemittel, Lacke und viele Duftstoffe.
Klasse 4 umfasst entzündbare feste Stoffe, selbstentzündliche Stoffe und Stoffe, die mit Wasser entzündbare Gase bilden. Klasse 5 umfasst entzündend wirkende Stoffe und organische Peroxide, beide temperaturempfindlich im Transport. Klasse 6 umfasst giftige und ansteckungsgefährliche Stoffe einschließlich diagnostischer und klinischer Proben. Klasse 7 umfasst radioaktive Stoffe, wo Transportkennzahl und Versandstückkategorie die Stauabstände bestimmen.
Klasse 8 umfasst ätzende Stoffe — Säuren, Laugen, Batterieflüssigkeit — und erzwingt Trennung von Lebensmitteln und von Metallen. Klasse 9 ist die Sammelklasse und enthält Lithiumbatterien, magnetisierte Stoffe, Trockeneis und Motoren mit Kraftstoffresten; sie erzeugt in der Praxis mehr Charteranfragen als jede andere Klasse. Innerhalb der Klassen stuft die Verpackungsgruppe den Gefahrengrad ab und legt den Verpackungsstandard fest.
Was die IATA Dangerous Goods Regulations regeln
Die IATA Dangerous Goods Regulations erscheinen jährlich neu und übersetzen die ICAO-Technischen Anweisungen in das Handbuch, mit dem Airlines, Abfertiger und Versender tatsächlich arbeiten. Sie legen je UN-Nummer die Verpackungsanweisung fest, die Mengengrenzen je Versandstück für Passagier- und Frachtflugzeuge, Kennzeichnung und Bezettelung, das Format der Absendererklärung sowie die Trenntabelle, die unverträgliche Klassen im selben Laderaum auseinanderhält.
Zwei Punkte sind kaufmännisch wichtig. Erstens gelten Operator- und Staatsabweichungen zusätzlich: Ein Betreiber darf eine im Handbuch erlaubte Klasse ablehnen, ein Staat kann sie beim Überflug einschränken. Zweitens kann ein Ausgabewechsel eine Verpackungsanweisung mitten im Programm ändern, weshalb eine Flugserie gegen die aktuelle Ausgabe geprüft wird und nicht gegen die des ersten Abflugs.