Leitfaden AOG
AOG-Charter für Flugzeugersatzteile
Ein stehendes Luftfahrzeug kostet je Tag ein Vielfaches der Transportkosten. Dieser Leitfaden beschreibt, welche Entscheidungen in den ersten Stunden anfallen und wie sich die Zeitachse belastbar planen lässt.
Kurzantwort
Eine AOG-Charter bringt Ersatzteile zu einem am Boden stehenden Luftfahrzeug. Das Muster richtet sich nach Größe und Gewicht des Teils, vom Kleinjet für eine Avionikbox bis zum Großraumfrachter für ein Ersatztriebwerk im Transportgestell. Ab Freigabe sind Abflüge innerhalb weniger Stunden möglich, sofern Genehmigungen und Zoll parallel laufen.
- Reaktion
- Optionen innerhalb einer Stunde
- Abflug
- Ab rund drei Stunden nach Freigabe
- Triebwerk
- Gestell prüfen, Muster folgt daraus
- Betrieb
- Rund um die Uhr, auch Feiertage
Musterwahl folgt dem Teil
Die erste Frage ist nie der Preis, sondern die Geometrie. Eine Avionikbox passt in einen Kleinjet, ein Fahrwerksbein braucht bereits ein Schmalrumpfmuster mit Hauptdecktür, ein Ersatztriebwerk im Gestell ein Großraumflugzeug oder ein Rampenflugzeug.
Deshalb gehören Maße und Gewicht des Gestells in die erste Nachricht. Mit ihnen lässt sich in Minuten sagen, welche Muster überhaupt in Frage kommen, statt Angebote zu vergleichen, die das Teil gar nicht laden können.
| Teil | Typisches Versandmaß | Übliches Muster |
|---|---|---|
| Avionik, Kleinteile | Kiste unter 1 m | Kleinjet, Kurierflug |
| Reifen und Bremsen | Palettiert, bis 1,5 m | Kleinjet bis Turboprop |
| Fahrwerksbein | Bis 5 m, mehrere Tonnen | Schmalrumpffrachter |
| Ersatztriebwerk im Gestell | Rund 6 x 3 x 3 m | B767F, B777F, An-124 |
| Rumpf- oder Flügelsegment | Übergroß | Rampenflugzeug |
Die Zeitachse ab Freigabe
Ab schriftlicher Freigabe laufen Slotanfrage, Genehmigungen, Crewplanung und Bodenabfertigung parallel. Bei europäischen und nordamerikanischen Stationen sind Abflüge ab etwa drei Stunden realistisch, in genehmigungsintensiven Regionen eher sechs bis zwölf Stunden.
Der kritische Pfad ist selten das Flugzeug. Er liegt bei Überflug- und Landegenehmigungen, bei der Verfügbarkeit von Hauptdeckladern außerhalb der Betriebszeit und bei der Zollabfertigung, wenn das Teil unter Reparaturverkehr läuft.
- Stunde 0
- Teileangaben, beide Stationen, Ansprechpartner am Ziel.
- Stunde 1
- Musteroptionen mit Preis, Abflugfenster und Ankunftszeit.
- Nach Freigabe
- Slots, Genehmigungen, Crew, Abfertigung parallel.
- Ankunft
- Übergabe an Technik oder Werft, Nachweis der Kette.
Ersatztriebwerke sind ein eigener Fall
Ein Triebwerk fliegt im Transportgestell mit eigenem Gewicht und eigenen Anschlagpunkten. Gestellhöhe und Schwerpunkt entscheiden über die Musterauswahl, und die Bodenlast im Hauptdeck wird vorab gegen das Load Sheet des Betreibers gerechnet.
Am Ziel muss ein tragfähiger Hauptdecklader oder Kran verfügbar sein. Fehlt er, wird auf eine nahe Frachtstation ausgewichen und der Weiterlauf auf der Straße geplant, was in der Gesamtzeit häufig günstiger ist als Warten auf Gerät.
Gefahrgut und Zoll im Eilfall
Viele AOG-Teile sind Gefahrgut. Sauerstoffgeneratoren, Batterien, Feuerlöschflaschen und Baugruppen mit Restkraftstoff verlangen korrekte Klassifizierung und Deklaration, auch unter Zeitdruck. Eine falsche Papierlage kostet mehr Zeit als jede Genehmigung.
Zollseitig läuft der Versand meist als vorübergehende Ausfuhr zur Reparatur oder als Austauschteil mit Rückführung der defekten Einheit. Beide Wege werden vor Abflug festgelegt, damit die Ankunft nicht in einer Lagerhalle endet.
Was in die erste Nachricht gehört
- Teil und Zustand
- Bezeichnung, Gefahrgutklasse falls zutreffend, Verpackung.
- Maße und Gewicht
- Inklusive Gestell und Anschlagpunkte.
- Stationen
- Abhol- und Zielflughafen, Betriebszeiten, Bodengerät.
- Zeitziel
- Späteste nutzbare Ankunft am Luftfahrzeug.
- Freigabe
- Wer entscheidet und in welcher Zeitzone erreichbar.
Wie schnell kann eine AOG-Charter starten?+
Ab schriftlicher Freigabe sind rund drei Stunden bis zum Abflug realistisch, wenn Flugzeug, Crew und Abfertigung am Ursprung verfügbar sind. Genehmigungsintensive Regionen brauchen sechs bis zwölf Stunden.
Was kostet ein Eilflug für ein Flugzeugteil?+
Die Spanne reicht von einem niedrigen fünfstelligen Betrag für einen Kleinjet innerhalb Europas bis in den sechsstelligen Bereich für ein interkontinental geflogenes Ersatztriebwerk. Entscheidend sind Muster, Blockstunden und Positionierung.
Kann ein Ersatztriebwerk in jedem Frachter fliegen?+
Nein. Gestellhöhe, Gewicht und Bodenlast begrenzen die Auswahl meist auf Großraumfrachter oder Rampenflugzeuge, und am Ziel muss passendes Bodengerät vorhanden sein.
Was passiert mit dem defekten Teil?+
Es wird üblicherweise auf demselben oder einem nachfolgenden Flug zurückgeführt. Der Rücklauf gehört in die Planung, weil er Zollstatus und Verfügbarkeit des Gestells betrifft.
Sind AOG-Flüge nachts und an Feiertagen möglich?+
Ja, sofern der Flughafen Nachtbetrieb erlaubt oder eine Ausnahme erteilt wird und Abfertigung sowie Zoll besetzt sind. Beides wird vor der Freigabe bestätigt, nicht danach.
Mehr Antworten im FAQ-Hub mit über 50 Fragen.
AOG-Desk erreichen
Teileangaben, beide Stationen und das Zeitziel genügen. Optionen mit Muster, Abflugfenster und Ankunftszeit folgen innerhalb einer Stunde.
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